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Kernenergie und Alternativenergien

In der Schweiz wird der Stromverbrauch zu rund 60 % durch Wasserkraftwerke und zu rund 40 % durch Kernkraftwerke gedeckt. Regional kann aber der Anteil der Kernenergie deutlich höher liegen, vor allem im Winterhalbjahr. Obwohl die Wasserkraft eine erneuerbare Energie darstellt und bereits heute den überwiegenden Teil der Stromversorgung erbringt, kann sie nicht eigentlich als Alternativ-Energie bezeichnet werden. In der Kontroverse um die Kernenergie werden deshalb vor allem diejenigen alternativen Energieformen aufgeführt, die Alternativen zur Kernenergie darstellen. Sie werden in der Statistik neu als «übrige erneuerbare Energien» aufgeführt Als solche werden meistens die folgenden Arten der Stromproduktion betrachtet:

• Photovoltaik
• Windkraft
• Biogas-Anlagen
• Geothermische Anlagen
• Brennstoffzellen  

Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen (WKK) setzen überwiegend nicht-erneuerbare Energien ein und können deshalb nicht eigentlich zur alternativen Elektrizitätserzeugung gerechnet werden. Können diese alternativen Energieformen die Kernenergie tatsächlich ersetzen? Wenn man auf dem Boden der Realität bleibt und nicht allzu euphorischen und oft durch Ideologien geprägten Vorstellungen erliegt, so muss die Antwort klar Nein sein; zumindest in den nächsten Jahrzehnten.

Welchen Anteil an der Stromversorgung der Schweiz erbringen denn diese Alternativ-Energien heute; über ein Jahrzehnt nach dem Volksbeschluss zum Energiegesetz? Nach Angaben des Bundesamtes für Energie für das Jahr 2008 (bei einer gesamten Inland-Produktion an elektrischem Strom von rund 67'000 GWh):

• Photovoltaik ~ 0.05 % ( 34 GWh)  
• Windkraft ~ 0.03 % ( 19 GWh)  
• Biogas-Energie ~ 0.27 % ( 180 GWh)  
• Geothermische Energie ~ 0 % ( ~ 0 GWh)  
• Brennstoffzellen ~ 0 % ( ~ 0 GWh)  

Aus diesen Zahlen ist klar ersichtlich, dass diese Alternativ-Energien heute einen sehr kleinen Anteil (0.3 %) an der schweizerischen Stromversorgung erbringen; was nicht heissen soll, dass ihre künftige Bedeutung vernachlässigbar sei. Weshalb ist dieser Anteil auch heute noch so gering? Gesamthaft muss die Stromproduktion für den allgemeinen Verbrauch zwei wichtigen Kriterien genügen:

• Zu jeder Zeit eine gesicherte und zuverlässige Verfügbarkeit
• Konkurrenzfähige Produktionskosten

Die Alternativenergien leisten wohl einen Beitrag an die Stromproduktion, benötigen aber zusätzlich andere Grosskraftwerke (z. B. Speicherkraftwerke) zur Anpassung der Produktion an den Bedarf. So ist etwa der Beitrag von Photovoltaik und Windenergie in kalten Winternächten bei allg. hohem Stromverbrauch praktisch Null.
Die Produktionskosten sind heute auch nicht konkurrenzfähig zu denjenigen der Wasser- und Kernkraft. Es wird deshalb immer wieder versucht, durch Einspeisevergütungen (Subventionen, die von anderen Wirtschaftszweigen erarbeitet werden müssen) die Konkurrenzfähigkeit zu verbessern, was aber in den meisten anderen Wirtschaftsbereichen verpönt oder gar verboten ist.
Das grösste Wachstumspotenzial liegt heute bei Windkraftanlagen im Ausland.
Die Gesamtleistung dieser Anlagen ist durchaus vergleichbar mit derjenigen einer Grosszahl von Kernkraftwerken. Aber Leistung (kW) ist nur eine Seite der Medaille. Wichtiger ist die Menge an programmierbar produzierten Kilowattstunden (kWh) und hier schneidet die Windkraft deutlich schlechter ab: im Schnitt kann nur während rund einem Sechstel der Zeit Strom produziert werden; der Rest muss dann von konventionellen Kraftwerken und Kernkraftwerken gedeckt werden.

Dennoch darf die Bedeutung der Alternativenergien für die Zukunft nicht unterschätzt werden. Ein wichtiger Grund ist z.B. die Ablösung vom Erdöl; auch wenn in der Schweiz dieser Energieträger für die Stromproduktion von geringer Bedeutung ist.

Alle Energieformen sind wichtig und es sollte deshalb nicht heissen:
Kernenergie durch Alternativ- Energien ersetzen; sondern vielmehr:
Kernenergie durch Alternativ-Energien ergänzen.

 
CO2-freie schweizerische Stromproduktion.

 

Im europäischen Stromverbund nimmt die Schweiz eine besondere Stellung ein. Mit ihrer zentralen Lage im Herzen von Europa stellt sie eine wichtige Drehscheibe im Stromaustausch zwischen umliegenden Staaten dar. Zum anderen stellen, dank ihrer topographischen Lage, die vielen Speicherkraftwerken in den Alpen und deren sehr flexiblen Anpassung an den dauernd sich ändernden Leistungsbedarf im In- und Ausland eine besonders gesuchte Quelle zur Deckung von Spitzen im elektrischen Netz dar. Der grenzüberschreitende Stromaustausch findet seit Jahrzehnten mit grossem Erfolg für beide Seiten statt. Diese günstige Eigenschaft der Schweiz wird in Zukunft noch vermehrt an Bedeutung gewinnen, weil die zunehmende Stromerzeugung aus Windkraft und Photovoltaik grosse Schwankungen aufweist und zur Deckung der Lücken andere Produktionsquellen verlangt. So könnte die schweizerische Stromlandschaft gewissermassen als «Batterie» im europäischen Verbundnetz wirken und dadurch ihre Wichtigkeit noch verstärken.

Die schweizerische Stromproduktion ist weitestgehend CO2-frei, da sie zu rund 60 % aus Wasserkraft und zu rund 40 % aus Kernkraft besteht. Der Stromexport aus der Schweiz ist somit auch weitestgehend CO2-frei und ist im Ausland sehr gefragt, da er einerseits sich rasch ändernde Bedarfspitzen gut stützen kann und andererseits als sog. «grüner Strom» immer mehr gefragt ist. Der Strombedarf in der Schweiz selber ist aber auf Importe aus dem Ausland angewiesen, besonders im Winterhalbjahr. Dieser Importstrom ist nun jedoch nicht mehr CO2-frei erzeugt, da er unter anderem aus Kohle- und Gaskraftwerken stammt.

Diese Tatsache wird nun von Gegnern der Kernenergie dazu benutzt, der schweizerischen Stromwirtschaft vorzuwerfen, mit unlauteren Behauptungen dem Stromkonsumenten vorzugaukeln, er beziehe aus seiner Steckdose CO2-freien Strom.
Tatsache bleibt, dass die Stromproduktion in der Schweiz weitestgehend CO2-frei ist. Beim Strom aus der Steckdose ist dies aber nur teilweise der Fall. Der Importanteil, dessen Produktionsherkunft im Detail fast nicht ermittelbar ist, wird heute von den Elektrizitätswerken in der Abrechnung für den Kunden als sog. «nicht überprüfbare Energieträger» ausgewiesen. Der Kunde weiss somit, welchen Strom-Mix er bezieht.
Zwei Aspekte sind in diesem Zusammenhang noch erwähnenswert: CO2 kennt bekanntlich keine Staatsgrenzen; somit trägt der Export von Schweizerstrom im Ausland zu einer allgemeinen CO2-Reduktion bei, da eine ausländische, CO2-belastete Produktion so reduziert werden kann. Der zweite Aspekt ist die höhere Vergütung des Exportes von solch begehrtem Spitzenstrom. Da die grosse Mehrheit der schweizerischen Elektrizitätsunternehmen in öffentlicher Hand ist, kann durch diesen Exporterlös der inländische Strompreis gesenkt werden, was wiederum dem Stromkunden zugute kommt.

   
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